„Hausfrau vögelt vor offenem Fenster“. So lautete die Zeitungsmeldung im Emser Tageblatt vom 11.05.
Mareike wunderte sich… mit „Hausfrau“ war sie gemeint, aber mit dem Begriff“ vögelte“ konnte sie nicht anfangen, da sie überhaupt keine Ahnung von Erotik hatte und noch Jungfrau war.
„Das ist sowieso eine Unverschämtheit“ dachte sie, „denn immerhin bin ich halbtags berufstätig und zweitens war das Fenster gar nicht offen, es stand nur auf Kipp“…

Aber sie erinnerte sich noch gut an den Tag: Sie war etwas später aufgestanden und hatte sich in der Küche zunächst einen Kaffee gekocht. Draußen war tolles Wetter und die Vöglein hatten sich immer wieder auf der Fensterbank hingesetzt, um dort die Krümel aufzupicken, die Mareike gerne nach dem Frühstück dort verteilte. „Ob die das mit „vögelt“ meinen“ fragte sie sich, verwarf den Gedanken aber schnell wieder, denn immerhin wurde in dem Artikel ja deutlich von ihr gesprochen und nicht von Vögeln.

Als der Kaffe fast fertig war, sah sie an der Scheibe einen Fettfleck. Statt diesen mit einem Lappen an einem Stock zu entfernen, wie sie es sonst gemacht hätte, versuchte Mareike im Stehen und selber heran zu kommen und den Fleck mit einem kleinen feuchten Schwämmchen zu entfernen. Dabei stolperte sie und trat mit einem Fuß in einen Putzeimer.
„Mist“ dachte sie und versucht den Fuß heraus zu ziehen. Ohne Erfolg. Der Fuß steckte fest. Mareike zog und schüttelte ihn, dabei verhakte sich ihr Nachthemd an einem aus der Wand herausragenden Nagel. Es machte „zzzzt“ und Mareike stand nackt in ihrer Küche.

Panisch wollte sie aus der Küche und in’s Bad stürmen, trat dabei aber mit dem freien Fuß auf den jetzt am Boden liegenden Schwamm.

Eine wilde 180° Drehung später fand Mareike sich mit dem Gesicht an der Fensterscheibe wieder, halb gebückt, splitternackt und mit einem Fuß im Eimer. Sie wollte sich gerade aus der misslichen Lage befreien, als auch noch die bisher offene Tür durch einen Windzug zuknallte und dabei den Putzfeudel umstieß. Der Feudel knallte ihr mehrfach auf den nackten Po und Mareike quiekte vor Schreck mehrfach auf. Als sie sich gerade beruhigte warf sie einen flüchtigen Blick aus dem Fenster und sah ihren Nachbarn. Direkt gegenüber stand er, hatte den Mund weit aufgerissen und seine Teetasse dampfte unberührt in seiner Hand vor sich hin.

Sie starrten sich kurz an, dann riss der Nachbar sich aus seiner Starre, stürmte los und kam mit einer Kamera zurück „oh nein“ dachte Mareike, aber da war es schon zu spät. Eine Woche später hielt Mareike die Zeitung mit besagter Schlagzeile in der Hand… „Frechheit“ dachte sie abermals als sie den Artikel weiter las: „Ein Augenzeuge berichtet: Ich kennen die Dame nicht gut, aber sie ist Hausfrau und so 45 glaube ich und an diesem Tag habe ich gesehen, wie sie vor dem offenem Fenster gevögelt hat, das war vielleicht ein Gequieke und Geschreie. Die haben sich die Klamotten vom Leib gerissen und richtig Gas gegeben“. „Das nächste Mal nehm ich wieder den Stock“ dachte Mareike und ging in’s Bad.